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Bild © pixabay / eigene Anpassung

Ein Plädoyer für den Kreisligafußball

Der Fußball ist zu einem Milliardenspiel geworden. Spieler wechseln für hunderte Millionen Euro die Teams, Fußballvereine erzielen Bilanzen in den Größenordnungen internationaler Konzerne und eine Dauerkarte für das Stadion kostet mehrere hundert Euro. Die weltweite Popularität hat den professionellen Fußball zu einer riesigen Gelddruckmaschine wachsen lassen. Die Kommerzialisierung in den internationalen Ligen ist vielen Fans ein Dorn im Auge. Kein Wunder, dass der Amateur-Fußball immer mehr an Beliebtheit erfährt. Es folgen ein paar gute Gründe, am nächsten Wochenende ein Spiel des örtlichen Heimatclubs zu besuchen.

Ehrlicher Fußball – ehrliche Preise

Während man für ein Bundesligaspiel oft schon mindestens 50 Euro für das Ticket einplanen muss, kostet der Besuch eines Amateurspiels oft nur wenige Euro. Auch die Preise für Bier und Bratwurst liegen hier noch absolut im Rahmen. Für beides zusammen zahlt man in der Bundesliga knapp 10 Euro, bei den meisten Kreisligaspielen oft weniger als die Hälfte. Was kann es Schöneres geben, als sich mit den Bekannten Sonntagsmorgen beim Frühschoppen an der Seitenlinie über Gott und die Welt zu unterhalten und nebenbei den Jungs auf den Rasen ein paar anspornende Bemerkungen zufliegen zu lassen?

In der Kreisliga wird man unterhalten

In der Kreisliga wird noch ehrlicher Fußball gespielt. Ehrlich sind indes auch die Antworten der Spieler nach einer Niederlage. Auf die Frage, was bei der 0:1 Pleite des SV Neuringe gegen den TuS Haren nicht gestimmt hat, antworte Spieler Matthias Brinkers:

Wir hatten hier drei Tage Schützenfest. Was willst du machen? Auf den letzten Metern war uns das einfach anzusehen.

Man merkt sofort: Hier geht es nicht um Millionen, sondern um die Ehre. Da können auch schon einmal ein paar kräftige Bemerkungen untereinander oder seitens der Zuschauer fallen. Dieser direkte Kontakt mit dem Publikum ist ein wesentlicher Charakterzug des unterklassigen Amateurfußballs. Auch der Schiri bekommt hier regelmäßig zu hören, wie er zu pfeifen hat. Zwar kann man in der Kreisliga keine offiziellen Wetten abschließen, doch geht es bei einer Sportwette laut Mr Green vor allem um die Unvergesslichkeit und den Spaß des Erlebnisses. Und dies kann die Kreisliga – auch wenn man hier vermutlich nicht auf Sportlegenden treffen wird – ebenfalls bieten. Man ist dem Geschehen vermutlich näher als einem Bundesligaspiel, sieht einem schönen Spiel zu und kann mit den Freunden auf das nächste Tor um eine Bratwurst spielen. Vielleicht hat man ja sogar Insiderinformationen bezüglich des Schützenfestes im Nachbardorf. Für Unterhaltung ist gesorgt.


Kuriositäten gibt es zuhauf

Im Millionengeschäft Profifußball ist alles bis auf das kleinste Detail durchgeplant. Der Anstoß erfolgt auf die Sekunde genau und auch nach dem Spiel sind die Abläufe für Spieler und Verantwortliche genauestens festgelegt – Pressekonferenz und Dopingkontrolle inklusive. Hier bleibt kaum Platz für skurrile Geschichten und Kuriositäten. Diese hat der Amateurfußball hingegen zuhauf zu bieten. In einem Spiel der B-Kreisliga Kaiserslautern/Donnersberg Süd zwischen dem SV Mölschbach und der SG Hochspeyer ließ sich der Schiedsrichter nach lautstarken Protesten darauf ein, die strittige Szene auf Handy erneut anzeigen zu lassen, was zu einer Revidierung seiner Entscheidung führte. Ein Hauch von Videobeweis und Bundesliga in der B-Klasse. Auch unbespielbare Rasenflächen sind keine Seltenheit. Die Gründe dafür lassen einen dann doch Schmunzeln. Das Spiel der B-Kreisligisten BR Billmerich gegen SSV Mühlhausen konnte zum Beispiel wegen eines nächtlichen Wildschweinbesuchs nicht ausgetragen werden. Solche Kuriositäten sind keine Seltenheit und machen den Charme und Unterhaltungsfaktor des Amateurfußballs aus. Es lohnt sich wirklich!

Joern

26 Jahre, Kreisligakicker, einer der Admins von "Kreisligafußball - das Bier gewinnt", Videographer, Mallemusik-Fanatiker / Folgt mir auf Instagram

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