Hat sich der Fußball verändert?

Immer wieder hört man auf den heimischen Sportplätzen, dass sich der Fußball verändert habe. Oder man liest davon in den sozialen Medien. Die Meinungen gehen dabei zwar auseinander, dennoch ist immer öfter – neben dem Profifußball – auch die Rede vom Amateurfußball. Ich möchte hier die Gelegenheit nutzen, um auf die aktuelle Situation des Fußballs aufmerksam zu machen. Dabei fließt nicht nur meine eigene Meinung ein, sondern auch eure Erfahrungen und schriftlichen Ergüsse. Legen wir los.

Unsportlichkeit auf dem Fußballplatz!

Für viele Diskussion sorgen fast wöchentlich Fouls oder Schwalben die an/von Profifußballern getätigt wurden. Zum Einen gehören Schwalben einfach nicht zum Fußball dazu und sind zum Anderen zudem unsportlich. Paradebeispiel dafür ist (leider) Timo Werner, der ja schon des öfteren deswegen sein Fett abbekam. Die Haterei hält nun schon sehr lange an – das liegt auch evtl. daran dass RB Leipzig nicht gerade der sympathischste Verein für so Manche ist. Man merkt aber inzwischen (zum Glück), dass Timo Werner ein überragender Fußballer ist, und lässt ihn sein Ding durchziehen, was ich befürworte. Und Timo Werner ist auch nicht der einzige Profisportler, der jemals eine Schwalbe machte. Daher: Lasst den Jungen in Ruhe seinen Fußball spielen. Dennoch gibt es unter Euch noch genügende, die es ihm nicht verzeihen möchten – jeder wie er will.

Glücklicherweise bestätigen auch hier Ausnahmen die Regel. Ich erinnere mich an das Spiel zwischen Werder Bremen und Nürnberg, nachdem Aaron Hunt nach einer Schwalbe einen Elfmeter zugesprochen bekam. Er zögerte nicht und gab zu, dass es kein Foul gewesen sei. Der Elfmeter wurde zurückgezogen. Somit zeigte Aaron Hunt wahre Größe und erntete dafür auch zu Recht viel Anerkennung. Solche Szenen und ebenso Fußballer wünsche ich mir mehr!

Im Amateurfußball sind mir bislang noch keine Schwalbenkönige aufgefallen. Das liegt aber auch vielleicht daran, dass ich nur unsere eigene Kreisliga verfolge und nicht alle vorhandenen Ligen deutschlands. Es könnte ja sein, dass auch hier Ausnahmen die Regel bestätigen, was ich nicht hoffe!

Nur noch Mimosen und Schauspieler!

Zum anderen wären da noch die dramatischen Szenen, die sich ebenfalls fast wöchentlich abspielen. Der Gefoulte fliegt zu Boden, dreht sich fünzig mal und greift sich an den Oberschenkel – obwohl er dort gar nicht getroffen wurde – und gibt Laute von sich, die man sonst nur von einem Orang-Utan kennt. Moment… das klang ja gerade wie das Drehbuch für einen Film?! Ich schweife ab… so manche schauspielerische Leistung ist sogar oscarwürdig. Leider häuft sich die Anzahl solcher Spieler immer mehr. Mir fehlt hier schlichtweg der Charakter. Wo sind die Kampfschweine des Fußballs? Paradebeispiel ist hier wohl Bastian “Fußballgott” Schweinsteiger als er im WM-Finale 2014 aufopferungsvoll für sein Team ohne Wenn und Aber beistand und nach unzähligen – noch so groben Fouls – immer wieder Aufstand und weitermachte. Treu nach dem Motto von Oliver Kahn: “Weiter, Immer weiter!”. Das sind Fußballer mit Charakter – davon wünsche ich mir mehr.

Und im Amateurfußball? Naja, Profifußballer sind ja schon sowas wie Vorbilder für uns. Für manche Kreisligakicker leider ein bisschen zu viel Vorbild. Ich möchte an dieser Stelle gerne auf die Kreisliga-Spielertypen verweisen. Vor Allem Mini-Messis und Möchtern-Ronaldos sehe ich wöchentlich auf den heimischen Sportplätzen. Doch nicht nur Abseits des Platzes geben sie sich von dieser Seite. Nein, auch auf dem Platz werden diese auf einmal zum Schauspieler. Manchmal denke ich mir: “Junge, was ist los mit dir?!” – “Steh auf du Heuler, das war gar nichts – wir sind hier nicht beim Ballett!”. Nach einem “Pff…” oder “Tzz…”, steht er dann wieder auf. Entschuldigung? Fehlanzeige! Doch bevor ich noch weiter ausschlage, möchte ich mit einer anderen Thematik fortfahren.

Wo ist der Zusammenhalt und das Beisammensein?

Das vermisse ich am meisten. Den Zusammenhalt im Verein. Klar, es gibt Vereine da funktioniert das noch wunderbar. Hat es bei uns früher auch – früher war ja eh alles besser… 😀 Mir fehlt schlichtweg das Zusammensitzen nach dem Spiel oder Training. Was gibt es denn schöneres, als nach einem wunderbaren Fußballspiel mit seinem Jungs vorm Sportheim zu sitzen, dummes Zeug zu quatschen und ein paar Bierchen zu kippen? Heute gibt es sogar Mitspieler, die sich dagegen streuben das Bier aus dem Kühlhaus zu holen, daher empfehle ich jedem einen Strafenkatalog einzuführen, der u. a. auch Bier(-kisten) beinhaltet. Es gibt zwar immer noch diese paar Alteingesessenen die Sonntag auf Sonntag auch noch nach dem Spiel da bleiben und in toller Gemeinschaft über Gott und Welt reden, aber das wird leider immer weniger.

Doch nicht nur nach dem Spiel verabschieden sich viele Spieler direkt – duschen nicht mal. Nein, ich habe sogar schon mitbekommen, dass Spieler nach der Auswechselung direkt gegenagen sind. Sorry, aber das geht gar nicht. Bei den Profis wird wenigsten noch sitzen geblieben – außer es gab eine rote Karte, dann muss direkt duschen gehen 😀 Normalerweise müsste es so sein: Am Spieltag treffen sich die erste und zweite Mannschaft (so bei uns) und die erste schaut zunächst der zweiten Mannschaft zu. Am Anschluss folgt das Spiel der Ersten – auch hier schaut dann die Zweite zu – natürlich mit dem wohlverdienten Bier und Bratwurst. Im Anschluss der Spiele lässt man in geselliger Runde nochmals die Spiele Revue passieren bei dem ein oder anderen Bier. Klar, Fahrer und Spieler, die Arbeiten müssen, können dies nicht, was ich ja total nachvollziehen kann, aber so manche Mitspieler… ich schweife ab. Ein Thema liegt mir noch am Herzen und zwar die Kommerzialisierung des Fußballs.

Ist der Fußball nur noch kommerziell?!

Ich erinnere mich an die Schlagzeilen der letzten Wochen. Neymar für 222 Millionen Euro zu Paris Saint-German. Dafuq?! Wisst Ihr wie viel Geld das ist? Wo soll das hinführen? Für mich hat dieser Deal die Hemmschwelle des kommerziellen Fußballs endgültig gebrochen. Nicht mehr lange und Spieler werden für noch mehr ver/gekauft. Dann kommt noch irgend einer dahergelaufener Ölscheich her, sponsert einen Spieler und kauft sich somit noch in die Mannschaft ein. Klar, ohne Sponsoren kann ein Verein im Profigeschäft nicht überleben. Aber wo hört die Kommerzialisierung auf und wo fängt sie an? Für mich eine schwer zu beantwortende Frage, vielleicht habt Ihr ja einen Ansatz? Doch nicht nur bei den Transfers ist dies zu beobachten. Ist Euch schon mal aufgefallen wie viel Werbung eigentlich während eines Spiels konsumiert wird?! Das ist richtig krass! Schaut euch mal zum Beispiel die Allianzarena an. Die Banden sind komplett voll mit Werbung, was aber auch normal ist. Doch selbst im Zuschauerrang ragt das T eines bekannten Mobilfunknetzes heraus. Und dann bekommt man als Konsument eines Bezahlsenders noch während des Spiels ständig irgendwelche Werbeanzeigen ins Bild gestrahlt! Ey, ich will den verdammten Fußball gucken! Sicher gibt es da noch mehr…

Selbst im Amateurfußball kann ich das schon beobachten. Für ein paar Euros den Verein wechseln. Identifikation mit dem Verein gleich Null! Es käme mir niemals in den Sinn den Verein wegen ein paar Euros zu wechseln. Ich habe hier Freunde, bin hier aufgewachsen (seit der Jugend) und es macht mir hier total Spaß. Warum dann wechseln? Würde mir ein Verein ein paar Kisten Bier anbieten, dann könnte man sich das ja nochmal überlegen… Witz! 😀

So, das waren meinen Eindrücke auf die aktuelle Lage des Fußballs. Wie seht Ihr das? Sicher gibt es noch einige Aspekte (Videobeweis,…), die hier nicht aufgeführt oder thematisiert werden, doch das würde jetzt den Rahmen sprengen. Es würde mich freuen – vorausgesetzt Euch gefällt mein Kommentar – wenn Ihr diesen teilen und verbreiten würdet! Eins wäre da aber noch zu sagen: Vielleicht bin ich auch einfach nur ein hoffnungsloser Fußballromantiker… Cheers!

Joern

Joern

25 Jahre, Kreisligakicker, einer der Admins von "Kreisligafußball - das Bier gewinnt", Videographer, Mallemusik-Fanatiker.

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