Spielertyp: Der zentrale defensive Mittelfeldspieler

Der zentrale defensive Mittelfeldspieler

Die Älteren der Leser werden sich vielleicht noch an ihn erinnern können, den Vorstopper. Zu seiner Zeit galt er als erfolgreicher Jäger und Sammler, der Sonntag für Sonntag gnadenlos seine Gegner gejagt und als Folge dessen gelbe oder auch mal rote Karten gesammelt hat. Er turnte vor dem Libero und den Manndeckern rum und kofferte so ziemlich alles weg, was sich ihm in den Weg stellte. Und wenn er den Ball dann mal hatte, wurde dieser so weit weg es ging bis in ein anderes Postleitzahlengebiet geballert. Sehr zur Freude einiger Zuschauer.

„Endlich mal einer, der klare Dinger hinten rausspielt.“

Der Vorstopper ist irgendwann rund um die Jahrtausendwende ausgestorben. Aber wo sich eine Tür schließt, da öffnet sich eine andere und so erblickte ersatzweise der defensive Mittelfeldspieler das Licht der Welt.

Von Natur aus auf Krawall gebürstet!

Die ballerobernde Passmaschine ist quasi der Nachfolger des Vorstoppers, die Stellenbeschreibung ist in vielerlei Hinsicht identisch. Zumindest in der Defensive. Auch er hat die Aufgabe, so viel wie möglich vor der Abwehr abzuräumen und sie somit zu entlasten. Mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln. Das heißt, er ist in der Art und Weise, wie er seine Abwehrarbeit verrichtet, äußerst flexibel. Eines ist dabei aber klar: Es gibt weder Kompromisse noch werden Gefangene gemacht, internationale Härte eben. Alles, was dem eigenen Tor in irgendeiner Weise gefährlich werden könnte, wird im Stile seines raubeinigen Vorgängers rigoros abgegrätscht, gebodycheckt oder pressgeschlagen. Wenn er gut drauf ist, langt er auch völlig spontan und ohne erkenntlichen Grund zu. Entweder weil er als geborener Aggressive-Leader von Natur aus auf Krawall gebürstet und mit einer beeindruckenden Grundaggressivität ausgestattet ist, oder um einfach mal ein Zeichen zu setzen und ein bisschen Zwietracht zu sähen, was dann für rege Diskussion sorgt.

Die einen Zuschauer: „Schon wieder der 6er, der hat schon Gelb!“
Die anderen Zuschauer: „Wie oft denn noch?“
Der Mitspieler des Gefoulten: „Wir müssen morgen alle wieder arbeiten!“
Der Kamerad des Übeltäters: „Der steht doch schon wieder! Und außerdem, wo musst DU morgen bitteschön arbeiten?“
Der Übeltäter selbst: „Ich spiele nur den Ball!“ Um dem Gefoulten noch hinterher zu bölken: „Der lacht doch!“
Bei der Gelegenheit bekommt auch dessen Mitspieler gleich noch sein Fett weg: „Was willst du denn, hä?“
Irgendwann beendet der Schiedsrichter die Diskussion: „ICH pfeife!“
Anschließend hacken beide Teams auf dem Schiedsrichter rum.

Ein beliebtes Mittel: Flugball spielen und dann den Namen desjenigen schreien, der in der Nähe des Landeortes steht

Der 6er ist also jederzeit mitten im Geschehen, sowohl sportlich als auch verbal. Im Gegensatz zum Vorstopper damals ist er aber auch offensiv engagiert. Im Spiel nach vorn ist er eine Art Zehner, nur etwas weiter hinten. Er versucht, sich im Spielaufbau zu integrieren, was nicht immer gelingt, zum Beispiel, wenn die Abwehrspieler hinter ihm lieber den langen Hafer bevorzugen. Somit kommt er sich vor wie an einer Flughafenlandebahn, auch dort schweben die Objekte regelmäßig links und rechts über einen hinweg. Wenn er den Ball dann doch mal bekommt, schärft er seine sieben Sinne und versucht gekonnt, seine Mitspieler in Szene zu setzen. Ab und zu mit einem feinen Pass in die Tiefe, dies aber eher selten. Besser kommt dagegen der „Diago“, hinter vorgehaltener Hand auch Lotterieball genannt. Das Ding funktioniert so:

  • Stufe 1: Prüfender Blick in die Tiefe, soweit der Blick reicht.
  • Stufe 2: Der Ball wird sanft vorgespielt, das Standbein ist leicht gebeugt, während das Schussbein ausholt.
  • Stufe 3: Der Ball wird geschlagen, das Schussbein schwingt anschließend durch.
  • Stufe 4: Prüfender Blick, dem Ball hinterher.
  • Stufe 5: Der ungefähre Landeort des Balles wird bestimmt. Stufe 6: Die Spieler in der Nähe des ungefähren Landeortes werden ausgemacht.
  • Stufe 7: Der Name des Spielers, der sich letztendlich am nächsten in der Nähe des Landeortes befindet, wird mit 1000 Dezibel gerufen.

„STEFAAAAAAAAN!“ Und wehe, der völlig verdutzte Stefan macht sich nicht sofort auf die Reise und eilt zum Ball. Dann gibt’s nämlich gleich den passenden Kommentar hinterher: „VORHER loslaufen und nicht erst, wenn der Ball gespielt ist!“ Schuld ist also definitiv der Andere, am Sechser kann es unmöglich gelegen haben.

Ein Lotterieball hat für ihn aber noch einen weiteren Vorteil: Selbst wenn das Spielgerät nicht bei einem der Mitspieler ankommt, so ist er erstmal relativ weit weg, der Fehlpässliche muss ihn also nicht gleich selbst zurückerobern. Hat also noch etwas für sich.

Für uns ist die Person des Sechsers total besonders: Er ist in seiner Mannschaft fußballerisch einer der Besseren und kann einen gepflegten Ball spielen. Genauso gut kann er aber auch mal dazwischen kloppen, sowohl verbal als auch nonverbal. Zuschauer sollten sich also freuen, wenn ein markiger Sechser auf dem Platz steht. Langweilig wird es mit ihm auf jeden Fall nie…

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