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Die Schiri-Kolumne: Vorfreude auf ein Bier

Viele Spieler sehen den Schiri als den Feind auf dem Feld. In dieser wöchentlichen Kolumne möchte ich euch zeigen, dass auch wir Akteure der Kreisliga sind – mit welchen Tücken wir Kreisligareferees zu kämpfen haben. In der vierten Ausgabe beschäftige ich mich mit der Vorfreude auf die verschiedensten Dinge vor und während eines Spiels.

Vorfreude ist die beste Freude

Am Ostermontag ein Kreisligaspiel pfeifen ist suboptimal. Wenn es dann auch noch den ganzen Tag regnet ist die Laune natürlich schon vor dem Anpfiff im Eimer. Naja ohne Schiri wird nicht gespielt also machte ich mich wohl oder übel und ohne besondere Vorfreude auf den Weg Richtung Spielort. Mit an Bord auch wieder meine Lieblings-Assistentin. Der Holländer musste leider kurzfristig absagen, da er ein Angebot für einen Einsatz in der Bezirksliga bekam. Der Sprung von der Kreisliga in die Bezirksliga ist für einen ambitionierten Schiri ja sowas wie der Einstieg in den Profifußball also war ich ihm nicht allzu böse.

Aufgefüllt wurde das Gespann mit einem Neuling als Assi Nummero 2, der sich aber nahtlos in die Kunst des Linienrichterns einfügte. Und kaum bleibt der Holländer mal zuhause, steht man mit der blauen Karre genau rechtzeitig eine Stunde vor Spielbeginn bei strömendem Regen auf dem Parkplatz des Sportplatzes, nicht so wie vergangene Woche. So bleibt diesmal eigentlich genug Zeit für das Aufwärmen und sonstige Standart-Gepflogenheiten – ja, eigentlich.

Kabinenduft bereitet Vorfreude

Von der City letzte Woche geht es diese Woche wieder zu einem klassischen Dorfverein. Das soll gar nicht abwertend klingen. Die Gastfreundschaft auf dem Land ist immer wieder einmalig. So fiel auch die Begrüßung recht herzlich aus und wir wurden direkt mit einem Kaffee in unsere Kabine eingewiesen. Glücklicherweise stellte uns der Verein sogar eine zweite Umkleide zur Verfügung, was den organisatorischen Aufwand beim Umziehen für meine Assistentine um ein Vielfaches erleichterte.

Zugegeben, in der Männer-Schirikabine müffelte es ein wenig. Das konnte aber der Klub nichts dafür, schließlich ging gerade erst das Spiel der zweiten Mannschaft unter der Leitung von meinem Assistenten-Neuling zu Ende. Da waren die Fußballschuhe noch schön nass. Außerdem kann man sich mit vielen Kreisliga-Legenden sicherlich über die Frage streiten, ob Grasgeruch wirklich ein Gestank ist. Für so manchen Grätschen-Fanatiker gilt es eher als gern getragenes Parfüm. Eau de Rasen oder so ähnlich – wäre sicher ein Verkaufsschlager.

Vorfreude aufs Aufwärmen – Fehlanzeige

Draußen weiterhin strömender Regen sowie Temperaturen nahe dem Gefrierpunkt. Drinnen dagegen ausgelassene Stimmung, ausreichend Getränke sowie meine berühmt-berüchtigte Kabinenmusik. Denn, wenn ich meine Musikbox mal nicht zuhause vergesse oder sie keinen Saft mehr hat, befindet sich durchaus passable Mucke auf meinem Handy. Das war sicherlich einer der Hauptfaktoren, die gegen ein ausgiebiges Aufwärmtraining sprachen. Dazu kam, dass meine Oma den Brauch pflegt, an Ostern eine Ente aufzutischen, die mir verständlicherweise noch äußerst schwer im Magen lag. Gut dann eben kein Warmup. Die Vorfreude darauf hielt sich auch bei meinen Assis in Grenzen also gammelten wir weiter in der Kabine mit Michaels Partymucke.

Vorfreude auf die Zuschauermassen

Pünktlich ging es dann auf den Rasen, wo bei strömendem Regen nur eine Hand voll Schaulustigen vorm überdachten Sportheim standen. Einen Moment dachte ich darüber nach, zurück in meine angenehm warme Kabine zurück zulaufen aber es hilft ja nix. Mein neuer Assistent hatte vor dem Spiel im Übrigen noch angekündigt, dass der Heimverein immer eine große Anzahl an Zuschauern hätte. Naja die stehen dann wohl noch im Stau. Nach 20 Minuten wird auch Assi 2 klar, dass die Zuschauermassen heute wohl ausbleiben werden. Ich persönlich bin aber ein Schirityp, der von den Zuschauern weniger genervt, sondern viel mehr gepusht wird.

Bei so einem Sauwetter ist die Vorfreude auf Fußball groß.

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Die erste Halbzeit verläuft unglaublich ruhig. Die favorisierte Heimmannschaft tut sich sehr schwer und nach 45 Minuten steht es 1:1. Bemerkenswert auch: Nur eine gelbe Karte wegen einem taktischen Foul. Das habt ihr von mir ja auch schon einmal anders erlebt. Naja kaum bleibt der Holländer zuhause, läuft ein Kreisligaspiel auch mal ruhig ab. So und jetzt ab in die warme Kabine, man wird es nicht glauben aber sogar mit Vorfreude auf den verstärkten Grasgeruch. In unserer gemeinsamen Zelle gibt es dann nicht besonders viel zu besprechen. Das Spiel ist offen, ich habe es zur Zeit im Griff. Die Assistentine wirkt gewohnt sicher und unterstreicht ihre Entscheidungen mit einem Lächeln. Auch die beiden Kreisligatrainer machen meinem Neuling kaum Probleme. Läuft ja bis jetzt ganz gut.

Vorfreude auf danach

Jetzt müssen wir aber wieder nach draußen – das Leben ist hart. Der Regen hat zwar nachgelassen, die Klamotten sind aber immer noch klitschnass und bei jedem Sprint macht sich die Ente in meinem Magen bemerkbar. Das Spiel bleibt umkämpft. Der Gastgeber gerät sogar in Rückstand, kann diesen aber verdientermaßen ausgleichen. Die letzten 15 Minuten brechen an. Die Nicklichkeiten auf Seiten der Gäste nehmen nun zu. Einwurf statt am 16er fast an der Mittellinie ausgeführt, Ball nach einem Abseitspfiff über den Fangzaun geschlagen, typisch Kreisliga eben. Daraus folgt noch die ein oder andere gelbe Karte – am Ende sollten es vier an der Zahl sein. Das Heimteam wird zunehmend nervöser, brauchen sie doch noch ein Tor, um im Aufstiegskampf dran zu bleiben. Die Vorfreude auf das Bierchen und die warme Dusche danach steigt ins Unermessliche.

Dann die Absprache mit den beiden Assis über die Nachspielzeit. Der Neuling fordert drei, Assistentine nur zwei. Ich zeige drei Minuten an, was den Captain der Heimmannschaft erzürnt.

“Was??? Das waren doch mindestens fünf. Da war doch diese Verletzung.”

Ach ja stimmt. Die Verletzung seines Spielers, der nach 30 Sekunden am Boden aus dem Spiel humpelt, und nach zehn Sekunden draußen wieder um Eintritt bat – rechtfertigt bestimmt fünf Minuten. Ein herausfordernder Blick auf die Uhr und er zieht Leine. Ein Tor erzielen sie nicht mehr und so sind es nach dem Spiel ausschließlich Akteure der Gästeelf, die sich beim Gespann bedanken. Schon komisch, wäre noch ein Tor gefallen, wäre es andersrum gewesen. Schwamm drüber, zumindest der Grillmeister honoriert unseren Einsatz und bringt uns zur warmen Dusche noch je eine schmackhafte Wurstsemmel vom Grill, der den Regen Gottseidank überlebte, vorbei.

Ich hoffe, ihr lest immer noch fleißig die Kolumne und freut euch schon auf nächste Woche, wo sicherlich wieder einiges geboten sein wird.

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Michael

Als Schiri in der Kreisliga erlebe ich jedes Wochenende die verschiedenen Seiten des Amateurfußballs. Doch auch ein kühles Helles in der Kneipe oder gute Ballermann-Musik sind am Wochenende auf der Tagesordnung. Die Geschichten in der Kolumne sind freilich frei erfunden und Gemeinsamkeiten mit realen Personen oder Vereinen purer Zufall ;)

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