Vorahnung

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Die Schirikolumne: Eine böse Vorahnung?!

Viele Spieler sehen den Schiri als den Feind auf dem Feld. In dieser wöchentlichen Kolumne möchte ich euch zeigen, dass auch wir Akteure der Kreisliga sind – mit welchen Tücken wir Kreisligareferees zu kämpfen haben. In der fünften Ausgabe analysiere ich die Vorahnung eines erfahrenen Kreisligaschiris bei einem harten Spiel mit so mancher Zicke.

Vorahnung bei der Ansetzung

Dieses Wochenende war bei meinen beiden Spielen kaum was Erzählenswertes dabei – kein Wunder, wenn der Holländer mal daheim bleibt. Also nutze ich diese Chance, um eine gern gehörte Anekdote aus der frühen Phase der Saison 2016/17 zum besten zu geben. Es war eigentlich nichts besonderes, als die Ansetzung kam. Zwei Dorfvereine gegeneinander, könnte heiß werden, so die Vorahnung. Aber auch kein Derby. Dann die beiden Assistenten: Auf der Trainerseite ein 50-Jähriger, der nur dabei ist, weil bei uns jeder Schiri verpflichtet ist, zweimal im Jahr an der Linie mitzufahren – Motivation pur versteht sich. Auf der anderen Seite ein Neuling in seinem ersten Spiel mit der Fahne in der Hand – auch nicht gerade optimal. Und mitten drin ein 18-jähriger Schiri – das konnte ja kaum gutgehen.

Um das Ergebnis vorwegzunehmen nur ein kurzer Ausblick auf das, was euch erwartet. Es folgten

  • eine Gelb-Rote Karte vor der Halbzeit
  • die erste Glattrote wegen Notbremse kurz nach der Pause
  • noch ein Platzverweis wegen offener Sohle um die 60. Minute
  • und last but not least eine Rote wegen Nachtreten in der 90.

Aber jetzt erstmal alles langsam der Reihe nach…

Vorahnung am Spielort

An einem verregneten Tag machte ich mich auf den Weg, meine beiden Assis einzupacken. Die Laune war so lala, denn keiner meiner Stammassistenten hatte Zeit und die Tabellenkonstellation preist nicht unbedingt Spitzenfußball an. Naja sei’s drum, muss ja auch jemand pfeifen. Die beiden Kollegen auch nicht unbedingt auf meiner Wellenlänge aber man arrangiert sich. Während wir durch den Regen cruisen noch ein paar Sticheleien gegen meinen Lieblingsverein kassiert und dann steht eins schonmal fest: Keine Spesen für Assistent 1. Am Spielort schon mal kein Ansprechpartner. Liegt wohl an dem Dreckswetter, erinnert mich aber auch an einen gewissen Stadtverein und das auf dem Dorf – na bravo.

“Gestatten, Mannschaftsbetreuer, Physio, Leiter des Ordnungsdiensts, zweiter Vorstand, Kassenwart und Stadionsprecher”

Ein Grill ist auch nicht in Sicht und das “Vereinsheim” gleicht auch eher einer Baracke. Draußen arschkalt also erstmal rein in die Holzbaracke und einen Kaffee trinken. Immerhin den zahlt der Verein, dessen Verantwortlichen wir selbstverständlich mit einem Bierchen in den Händen antreffen. Die Liste seiner Aufgaben passt kaum auf ein Din A4-Blatt – schon eher typisch Dorfverein. “Gestatten, Mannschaftsbetreuer, Physio, Leiter des Ordnungsdiensts, zweiter Vorstand, Kassenwart und Stadionsprecher. Oder kurz gesagt ich führe den Laden hier”, stellt sich das Mädchen für alles minimal lallelnd vor. Ob seine Fahne vom Abend davor oder den zwei bis drei Bier am frühen Sonntagnachmittag kommt, wird man wohl nie klären können.

Vorahnung

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Jegliche Vorahnung unberechtigt?

Wie dem auch sei, blicken wir doch lieber auf das Sportliche. Es wurde ja auch 90 Minuten Fußball gespielt. Die ersten 20 Minuten verlaufen megaruhig. Ein oder zwei knifflige Abseits, aber da muss ich den Jungs draußen vertrauen. Dann die erste Gelbe Karte gegen einen Gästespieler. Taktisches Foul – nichts besonderes. Was dann passiert ist einfach nur Typisch Kreisliga: Der selbe Spieler grätscht fünf Minuten nach dessen Verwarnung in der gegnerischen Hälfte mit dem gestreckten Bein ohne Nutzen seinen Gegenspieler um – guter Mann. Dann kommt des Kartenspielers erster Streich: Gelb-Rot und tschüss. Dann direkt danach der Pausenpfiff. Leichte Diskussionen mit dem Gästetrainer, der sich aber bald beruhigt. Doch sein Kollege Herr Kreisligatrainer Heim sollte in der zweiten Hälfte mal wieder zum wahren Feind des Schiedsrichters mutieren.

Kabinengespräch füttert Vorahnung

Weiterhin alles Roger. Der Spieler war halt einfach ein Depp. Was soll man machen? So auch der O-Ton in der Schiri-Kabine. Das war wohl das erste Mal, dass wir uns einig waren. Dann geht es wieder raus. Aber aufpassen, könnte jetzt etwas fies werden die Partie. Und in der Tat, das Spiel wurde immer ruppiger. Die Heimmannschaft schafft es selbst in Überzahl nicht, sich Chancen zu erspielen. Nach fünf Minuten dann der nächste Aufreger: Langer Ball der Gäste nach vorne, letzter Mann von Heim packt 20 Meter vor dem Tor die Grätsche aus – Glattrot. Der Kartenspieler schlägt wieder zu. Natürlich zum Unmut der Heimelf. Doch das Verständnis ist zumindest einigermaßen vorhanden – noch.

Das Spiel geht weiter, die Gelben Karten alle aufzuzählen würde zu viel Platz beanspruchen und auf dem Spielberichtsbogen sind die Spieler ohne Karte am Ende leichter zu erkennen als diejenigen mit. Dann die 60. Spielminute: Direkt vor Assi 2 – wir erinnern uns, es war sein erstes Spiel – rauscht ein Heimspieler mit offener Sohle in Richtung Brustkorb des Gegenspielers – Rot Nummero 2. Da das Fahnenzeichen ausbleibt wird die Entscheidung logischerweise mächtig diskutiert. Zwischen Einwurf und Spielabbruch war da alles dabei. Naja es kann ja nicht jeder Schiedsrichter sein.

Vorahnung, das Bier bleibt aus

Die Stimmung mehr als aufgeheizt, auch an der Seitenlinie, wo sich Assi Nummero 1 nicht wirklich viel Mühe machte, das Spiel zu beruhigen. Dann in der 90. Minute steht das Spiel kurz vorm Überschwänken in ein WWE-Wrestling-Event und der Schiri mittendrin. Als sich die Gemüter gerade nach einem nicht gegebenen Elfmeter beruhigt hatten, tritt ein Verteidiger im Zweikampf ohne Chance auf den Ball, dem Gegner Richtung Bein. Er touchiert ihn zwar nur ein bisschen aber Nachtreten bleibt Nachtreten und Rot bleibt Rot. Da ändert auch Mr. Heimtrainer alias Rumpelstilzchen mit seiner Tanzeinlage an der Seitenlinie nichts. Ein nettes Lächeln nach draußen, Abpfiff und Abflug. Eine solche Spielertraube, die uns drei den Weg versperrt habe ich noch nie erlebt.

In der Kabine angekommen, erstmal durchatmen und das Geschehen Revue passieren lassen. Eins war uns drei sofort klar: Nach der Dusche würde es kein kühles Blondes mit dem Mann mit den vielen Funktionen geben. Also direkt ab gen Heimat. Dafür gönnte ich mir dann zuhause das ein oder andere Bierchen, während ich die drei Meldungen zimmerte. So kann man den Sonntagabend auch verbringen.

Vielen Dank weiterhin für das Lesen der Kolumne. Die Ausgabe von vergangener Woche findet ihr hier. Noch eine schöne Woche, Gutkick und bis zum nächsten Mal – Euer Michael.

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Michael

Als Schiri in der Kreisliga erlebe ich jedes Wochenende die verschiedenen Seiten des Amateurfußballs. Doch auch ein kühles Helles in der Kneipe oder gute Ballermann-Musik sind am Wochenende auf der Tagesordnung. Die Geschichten in der Kolumne sind freilich frei erfunden und Gemeinsamkeiten mit realen Personen oder Vereinen purer Zufall ;)

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