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Die Schiri-Kolumne: Volles Organisationstalent

Viele Spieler sehen den Schiri als den Feind auf dem Feld. In dieser wöchentlichen Kolumne möchte ich euch zeigen, dass auch wir Akteure der Kreisliga sind – mit welchen Tücken wir Kreisligareferees zu kämpfen haben. In der dritten Ausgabe geht es um den Kreisligaschiri als Organisationstalent.

Organisationstalent kann nicht jeder

Auch in der Kreisliga stehen dank Nachholspielen und sonstigen Sonderwünschen der Vereine ab und an Englische Wochen an. Solche Teufelswochen fordern das Organisationstalent in jeder Fußballmannschaft aber auch bei den Schiris. Die vergangene Woche hatte beide Extreme an einem Abend zu bieten: Das Organisationsass und den Organisations-Neuling. Letzterer ist euch bislang besser bekannt unter dem Namen „Assistent 1“. Diese Woche kam ich in den Genuss, seine Fähigkeiten jenseits der Fahne kennenzulernen und durfte selbst mein Können als Assi beweisen. Um jegliche Verwirrungen zu verhindern, nennen wir unseren guten Freund Assistent 1 – mit der wunderschönen Ray Ban – von nun an „der Holländer“. Das hat weniger mit seiner Herkunft als vielmehr mit seinem Fable für die Farbe Orange zu tun.

Wie dem auch sei. Ich fuhr also unter der Woche zum vereinbarten Treffpunkt mit dem Holländer und kam natürlich selbst schon fünf Minuten zu spät. Macht nichts, dachte ich, der wird schon ein bisschen Puffer eingebaut haben. Ist ja auch Berufsverkehr. Am Treffpunkt angekommen muss der Holländer, der selbstverständlich mit der Sonnenbrille im Gesicht auf mich wartet, gleich nochmal nach Hause – Geldbeutel vergessen. Aus den fünf Minuten Verspätung werden zehn. Und die sind natürlich allesamt nicht einberechnet – Anfahrt läuft…

Auch beim Verband fehlt das Organisationstalent

Weiter ging es zu Assistentin 2 – ja auch so ein Anblick ist manchem Kreisliga-Akteur vergönnt. Dann auf die Autobahn Richtung City. Denn es geht zum verpöhnten Stadtverein, wo die Bratwürste lieber auf dem Grill verkokeln, bevor sie den Schiris geschenkt werden – Vorfreude RIESIG. Kaum auf der Autobahn angekommen, stehen wir im Stau. 70 Minuten bis zum Spielbeginn. Na gut, Autobahn-Tunnel gesperrt also nächste Ausfahrt runter und einmal durch die Stadt. Das kostet natürlich Zeit, die der Holländer genauso wenig eingeplant hat, wie die Niederlande die Teilnahme an der nächsten WM. Geschlagene 30 Minuten vor Spielbeginn kommen wir dann am Sportplatz an – Laune verbesserungswürdig.

Nach fünf Minuten des Suchens finden wir auch schon den Vereinsverantwortlichen/Trainer, der uns mehr oder weniger freundlich mit den Worten „Euch hab ich schon seit 30 Minuten gesucht“ begrüßt. „Stur lächeln und winken Männer“ ist jetzt für uns drei die Devise. Dann der nächste Hammer: „Jungs können wir zehn Minuten früher anfangen? Wir haben ja kein Flutlicht und der Verband wollte nicht eine Stunde früher ansetzen.“ Der eh schon weniger beliebte Stadtverein entpuppt sich als Organisationstalent-Schmiede und der Fußballverband gleich mit dazu. Doch der Holländer sieht kein Problem und willigt ein. Beim Aufwärmen ist er ja eh fitter als ich. Aber das wisst ihr ja schon aus Ausgabe 1.

Assistentin 2 fordert das volle Organisationstalent

Dabei hat er eins nicht bedacht: Doppelt so viele Geschlechter in nur einer Umkleide. Das braucht neben zusätzlichem Organisationstalent auch doppelt so viel Zeit. Trikot in die Umkleide gereicht und raus – die Männer lassen der Assistentin den Vortritt. Die Kabine ist diesmal um einiges geräumiger als die Abstellkammer in Ausgabe 2. Kein Wunder, denn wir fanden uns (Kein Witz) in einer Kegelbahn wieder. So kamen wir dann während dem Umziehen doch noch zum Aufwärmprogramm und schoben ein paar Kugeln. Das Ergebnis sowie die Legalität unserer Unternehmung bleibt bis heute unklar – Die Geräusche lassen einen Volltreffer erahnen. Fünf Minuten vor Anpfiff dann die letzten Instruktionen. Der Holländer hofft auf ein leichtes Spiel und, dass er nicht aus Gewohnheit nur die Seitenlinie entlang läuft. Ein letztes Gut Kick und ab auf den Platz.

Das Organisationstalent auf dem Feld?

Das Spiel, welches natürlich nicht zehn Minuten früher startet, läuft dann relativ ruhig ab. Von Derbyfeuer, wie vergangene Woche war keine Spur. Kein Wunder beim Duell eines Abstiegskandidaten gegen einen haushohen Aufstiegsaspiranten. Man könnte aber auch sagen: Im Gegensatz zur Planung der Fahrt, bewies der Holländer auf dem Feld totales Organisationstalent und hielt die Akteure über 90 Minuten in Schach – ein klares Organisationsass. Assistentin 2 konnte allein mit ihrem bezaubernden Lächeln jedes Abseits, war es noch so knapp, plausibel machen. Ich hatte einen ruhigen Abend und konnte neben Gesprächen mit der Spielerbank – sehr nette Jungs – bei meinen drei knappen Aus-Entscheidungen überzeugen. Zur Pause ist das Spiel bereits entschieden und der Holländer ist nach 45 Minuten mit der Team-Performance Vollgas zufrieden. Die letzten Einweisungen: Michael ratsch schön weiter und Assistine 2 immer weiter lächeln – alles klar Chef weiter geht’s.

Organisationstalent beim After-Match-Bier

Die zweiten 45 Minuten stellten nur das Schreibtalent des Schiris unter Beweis, der bei einer wahren Torgala fast im Minutentakt zum Stift greifen musste. Interessant ist einzig noch ein Dialog des Holländers mit einem Akteur der unterlegenen Mannschaft. Spieler: “Für jedes Tor gibt es ja normalerweise eine Minute Nachspielzeit. Die lassen wir heute weg, oder?” Schiri: “Na klar, sonst geht das Spiel ja ewig, wenn ihr so weitermacht.” Diese Regel bezüglich der Nachspielzeit war selbst einem erfahrenen Kreisligaschiri wie mir neu.

Nach dem Abpfiff in der späten Abenddämmerung bedanken sich die Spieler beim Gespann und sicherten sich die Nummer von Assistine 2. Statt im Vereinsheim des Stadtklubs auf eigene Kosten das Absacker-Bier zu vertilgen, beschlossen wir, eine Örtlichkeit mit TV aufzusuchen. Gesagt, getan. Das Organisationstalent vom Holländer blitzte nochmal auf, als wir perfekt zur zweiten Halbzeit der Bundesliga in der Wirtschaft mit Sky-Leinwand mit einem kühlen Blonden in der Hand und einem schmackhaften Burger auf dem Tisch saßen. Dass der Holländer auch noch die Rechnung übernahm, rundete den Abend, trotz des schwierigen Einstiegs perfekt ab – merce nochmal. Da taten die Tipico-Verluste an diesem Bundesliga-Abend nur noch halb so weh – danke Leipzig. Mit erneut reichlich Verspätung und viel dreckiger Wäsche, kam ich dann tatsächlich heil zuhause an und fiel sogleich erschöpft von der äußerst anspruchsvollen Aufgabe in die Federn.

Danke fürs Lesen. Ich hoffe ihr seid weiter zufrieden mit der Kolumne und ich bringe euch zum Lachen. Falls ihr Wünsche oder Themenvorschläge habt, schreibt sie in die Kommentare. Ansonsten Gut Kick und bis nächste Woche.

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Michael

Als Schiri in der Kreisliga erlebe ich jedes Wochenende die verschiedenen Seiten des Amateurfußballs. Doch auch ein kühles Helles in der Kneipe oder gute Ballermann-Musik sind am Wochenende auf der Tagesordnung. Die Geschichten in der Kolumne sind freilich frei erfunden und Gemeinsamkeiten mit realen Personen oder Vereinen purer Zufall ;)

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