Die Schiri-Kolumne: Unser Feind, der Kreisligatrainer

Viele Spieler sehen den Schiri als den Feind auf dem Feld. In dieser wöchentlichen Kolumne möchte ich euch zeigen, dass auch wir Akteure der Kreisliga sind – mit welchen Tücken wir Kreisligareferees zu kämpfen haben. In der ersten Ausgabe geht es um einen großen Gegenspieler des Schiedsrichters, den Kreisligatrainer.

Ein jammernder Kreisligatrainer

Nach einer viel zu langen Winterpause in der Halle, ging es für mich zum ersten Einsatz zurück in der Kreisliga. Zum Mittagessen ein Steak vom Grill, die beiden Assistenten eingepackelt und auf zum Spielort. Die Begrüßung vom Heimverein fällt heute sehr kurz aus. „Sorry bin seit vier Uhr auf den Beinen“, sind die ersten Worte eines haarlosen Mannes, der sich verschlafen als ein Betreuer und scheinbar Co-Kreisligatrainer des Heimteams vorstellt.  Ich verkneife mir an dieser Stelle, dem Mann die Umstände meiner letzten Nacht in einem irischen Pub gemeinsam mit Assistent 1 und mehreren Guiness zu erörtern – Spielvorbereitung in der Kreisliga halt. Beim Aufwärmen mit meinem Team merke ich die geschwundene Kondition über die Wintermonate zum ersten Mal richtig krass. Bei den obligatorischen Sprints ziehen beide Assistenten an mir vorbei – na toll fängt ja gut an. Vor dem Spiel nochmal bei beiden Coaches angeklopft: Grün gegen Rot, Gutkick und ab aufs Feld.

Kreisligatrainer lauern auf Fehler

Verglichen mit den Schiritypen der Kreisliga würde ich mich mit meinen 18 Jahren am besten als „Der Jungspund“ bezeichnen. Denn zugegeben die Sommersprossen in meinem Gesicht jagen dem 40-jährigen Libero der Heimmannschaft wohl kaum Angst ein und mit meinen 172 cm-Kampfgröße ziehe ich in Sachen Autorität auch gegen die meisten Akteure den Kürzeren. Dann vielleicht doch eher der Kumpeltyp. Viele Spieler gehen da sehr gut drauf ein. Bei den meisten Trainern klappt das dagegen  leider nicht so gut. Naja, solange das Spiel zu ihren Gunsten läuft sind sie deine besten Freunde, aber 90 Minuten lang lauern sie auf deine Fehler. Sie sind wie Raubvögel, die auf ihre Beute warten. Der Co-Kreisligatrainer vom Heimteam war so ein Kandidat. Ein Foul scheinbar nicht richtig geahndet, schon geht es los: „Jetzt pfeif doch mal.“ Bis zum Schlusspfiff blieb das selbstverständlich nicht die letzte Anfeindung.

Der Kreisligatrainer ist selten dein Freund

Das komplette Gegenteil auf der anderen Seite. Der ambitionierte, junge Trainer der Gäste, kümmert sich um sein Team. Wenn er schreit, dann geht es um die Spieler. Naja kein Wunder: Die Mannschaft ist Tabellenführer und wohl bald in der Bezirksliga. Bis zur Halbzeit nur eine gelbe Karte und keine Tore – ein ruhiger Auftakt in die Rückrunde bis jetzt. Ansprache in der Kabine: Die Gäste kombinieren, die Heimelf klopft. Das gilt es zu unterbinden – ohne Rücksicht auf Verluste. Aber alles in allem eine ruhige Partie also was soll passieren? Beim Rausgehen vom Gästetrainer ein aufmunterndes „Weiter so“, vom Heimtrainer nur ein böser Blick – warum auch immer.

Kreisligatrainer sehen Vorteile, wo keine sind

Das Spiel läuft zwei Minuten, da setzt der junge Verteidiger in Grün ein erstes Zeichen mit der offenen Sohle Ball und Gegner – Gelb. Was folgt ist ein typischer Kreisligadialog: Spieler: „Du weißt schon, dass ich den Ball spiele?“ Schiri: „Ja, wenn nicht wärst du jetzt beim Duschen.“ Verdutzter Blick vom Spieler mit einem Lächeln entgegnet, weiter geht’s. Einer von wenigen Angriffen der Heimelf wird an der Mittellinie unterbunden, der Mitspieler bleibt im Ballbesitz, findet sich jedoch im Zweikampf mit drei Gegnern wieder. Ich pfeife – aus Rücksicht auf den gleich folgenden Ballverlust. Mein bester Freund Mr. Kreisligatrainer sieht das natürlich komplett anders – eine klare Torchance habe ich verhindert… Ein nettes Lächeln in Richtung Bank und weiter geht’s. Ansonsten gibt es kaum mehr etwas, das hier erwähnenswert wäre, außer vielleicht die Tatsache, dass uns nach dem Spiel vom Heimteam sogar ein kühles Blondes verwehrt blieb. Wir haben uns scheinbar wieder mal Freunde gemacht.

Alles in allem ein ganz normaler Tag in der Kreisliga aus einer anderen Perspektive. Ich hoffe es hat euch gefallen, danke fürs Lesen und bis nächste Woche.

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Michael

Michael

Als Schiri in der Kreisliga erlebe ich jedes Wochenende die verschiedenen Seiten des Amateurfußballs. Doch auch ein kühles Helles in der Kneipe oder gute Ballermann-Musik sind am Wochenende auf der Tagesordnung.
Die Geschichten in der Kolumne sind freilich frei erfunden und Gemeinsamkeiten mit realen Personen oder Vereinen purer Zufall 😉
Michael

Michael

Als Schiri in der Kreisliga erlebe ich jedes Wochenende die verschiedenen Seiten des Amateurfußballs. Doch auch ein kühles Helles in der Kneipe oder gute Ballermann-Musik sind am Wochenende auf der Tagesordnung. Die Geschichten in der Kolumne sind freilich frei erfunden und Gemeinsamkeiten mit realen Personen oder Vereinen purer Zufall ;)

Noch mehr Kreisliga!

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