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Die Schiri-Kolumne: Umgang mit Derbyfeuer

Viele Spieler sehen den Schiri als den Feind auf dem Feld. In dieser wöchentlichen Kolumne möchte ich euch zeigen, dass auch wir Akteure der Kreisliga sind – mit welchen Tücken wir Kreisligareferees zu kämpfen haben. In der zweiten Ausgabe gibt es einen Einblick in ein Kreisligamatch mit reichlich Derbyfeuer.

Derbyfeuer auf dem Grill

Nach dem gelungenen Auftakt in das Fußballjahr 2017, wartete auf mich und mein Team die erste große Herausforderung: Das Derbyfeuer im Lokalduell im Abstiegskampf der Kreisliga löschen. Aber erst mal alles der Reihe nach. Am ersten April-Wochenende bei Sonnenschein mit Sonnenbrille, die im Gegensatz zur Ray Ban von Assistent 1 aus einem Kaugummi-Automaten sein könnte, in Richtung Spielort. Was kann es Schöneres geben? Tank nicht mehr allzu gut gefüllt, aber das passt schon. Am Sportplatz angekommen erstmal die Kabine auschecken. Jede Abstellkammer ist ein 5-Sterne-Hotel dagegen – erster Eindruck läuft. Nachdem wir uns zu dritt wieder aus der Tür gequetscht haben, sind wir direkt vom Heimverein zum Aftermatch-Grillen eingeladen worden – Läuft schon eher. Beim Standard-Aufwärmen diesmal den Sprint etwas weniger vergeigt. Übung macht den Meister. Dann mal ab ins Spiel und Feuerwehrmann spielen. Die ersten 20 Minuten bleibt das befürchtete Derbyfeuer aus. Das Einzige was brennt, ist bis dahin der Grill und der Duft meiner Aftermatch-Steaks liegt mir schon in der Nase.

Abseits oder nicht? Das Derbyfeuer ist entfacht

Gedanklich war man vielleicht schon ein bisschen bei der Brotzeit nach dem Spiel. Doch ein Derby kann schnell kippen. Die Heimmannschaft mit einem Zuspiel zum Stürmer, der hinter der Abwehr einschiebt. Assistent 1 – mittlerweile ohne seine Ray Ban – entscheidet auf gleiche Höhe. Die Gästebank hinter ihm gerät in Rage, er bleibt auch ohne Sonnenbrille cool. Fünf Minuten später: Ähnliche Situation auf der Seite von Assi Nummero 2. Gästestürmer köpft den Ball ins Tor – Ätsch Fähnchen ist aber oben. Was weiß schon ein Bezirksliga-Schiri an der Linie? Fand die Gastmannschaft nicht so cool, war mir aber ehrlich gesagt relativ wurst.  Anstelle des Feuers am Grill rückt nun wieder das Feuer am Platz in den Mittelpunkt und das sollte vor der Pause noch zu Problemen führen, für die Gäste.

Übertriebenes Derbyfeuer, keine gute Idee!

Der Trainer der Gäste-Elf wird nun zu einem typischen Kreisligatrainer, wie in der ersten Ausgabe schon thematisiert. Ihren Höhepunkt erreichte die Stimmung dann kurz vor der Pause. 45. Minute, völlig ungefährliche Situation im Niemandsland des holprigen Kreisligaplatzes. Der unerfahrene Mittelfeldakteuer der Gäste setzt zur Grätsche an. Wenn man für ihn nach einem Spielertyp der Kreisliga sucht, würde es “Der Ungeschickte” am besten treffen. Völlig übermotiviert mit reichlich Derbyfeuer und Stollen voraus in den Gegner gerutscht – Respekt! Die doofe Folge: Schon nach 45 Minuten darf er duschen. Auch nicht schlecht, immerhin noch warmes Wasser. Dass der Trainer darüber not amused war, brauche ich an dieser Stelle wohl kaum erklären.

Derbyfeuer bekämpfen – nur wie?

In der Halbzeit-Ansprache viele Fragen: Einmal Gelb, einmal Rot – wie geht denn sowas? Naja Kreisliga halt, ist wohl der beste Erklärungsansatz. Den Ordner noch auf einen aufmüpfigen Zuschauer (übrigens mit einer Sonnenbrille, die er aus meinem Auto geklaut haben könnte) angesetzt. “Blindschleiche, Schieber, Arschloch”, heute war man wieder sehr einfallsreich. Naja, raus aus der Zwangskabine und rein in die zweite Hälfte. 10 gegen 11, Gutkick und weiter geht’s.

Jede Entscheidung zugunsten der Heimelf wird nun kommentiert von den Anhängern der Gäste, die sich hinter der Bank eingefunden haben und das Derbyfeuer weiter mit Sauerstoff versorgen. Eine zehnminütige Autofahrt mussten sie dafür auf sich nehmen. 60. Minute, die inzwischen fünfte Gelbe des Spiels, Gästefans pöbeln. Der Dialog mit dem Kapitän der Heimelf lässt mich schmunzeln. Spieler: “Das muss schwer sein, wenn die alle Entscheidungen kommentieren.” Schiri: “Ja sehr spaßig, und das jedes Wochenende.” Spieler: “Manchmal tut ihr einem schon leid.” Schön zu wissen, dass nicht nur ich das so sehe.

Nach dem Derbyfeuer ist vor der Grillflamme

Nach 90 langen Minuten steht es 2:2. Alles überstanden, jetzt ab unter die Dusche. Wenn einer sich mit den letzten warmen Tropfen säubert, hat man in der “Kabine” sogar ausnahmsweise Luft zu atmen. Danach ab ins Vereinsheim, die versprochene Brotzeit abstauben. Wir hatten uns auf zwei Würstchen oder bestenfalls ein mickriges Stück Fleisch eingestellt – der Liga angemessen eben. Was dann folgte war großes Kino und mindestens Bundesliga, nein Championsleague: Der Herr über den Grill bringt uns acht Würste und drei Stück Fleisch in die gute Stube. Wir konnten unsere Blicke kaum von diesem 3-Sterne-Menü abwenden und man munkelt, sogar so mancher Schiri aus der großen Bayernliga war neidisch.

Das Grillgut verspeist und unseren Durst gestillt, machten wir uns auf den Weg nach Hause. Sonnenbrillen auf und ab geht’s. Da war nur ein Problem: Der Tank wollte ja bekanntlich gefüllt werden. Mit wenigen Metern Restreichweite und fast ohne das Gaspedal auch nur zu berühren, schafften wir es – Gott sei Dank – doch noch an die Tanke im Nachbarort und konnten die Reise gen Heimat fortsetzen.

Danke fürs Lesen. Ich hoffe das Derbyfeuer ist auf euch übergesprungen und ihr seid auch nächste Woche wieder dabei.

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Michael

Als Schiri in der Kreisliga erlebe ich jedes Wochenende die verschiedenen Seiten des Amateurfußballs. Doch auch ein kühles Helles in der Kneipe oder gute Ballermann-Musik sind am Wochenende auf der Tagesordnung. Die Geschichten in der Kolumne sind freilich frei erfunden und Gemeinsamkeiten mit realen Personen oder Vereinen purer Zufall ;)

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